Was hat dich dazu gebracht, Illustratorin zu werden – und hast du Illustration studiert?Ich habe eigentlich Modetextilien am London College of Fashion studiert, bin aber nicht lange in der Modebranche geblieben. Mir wurde früh klar, dass es nicht das Richtige für mich war. Gegen Ende meines Studiums begann ich, ein Illustrationsportfolio aufzubauen, und etwa ein Jahr nach dem Abschluss wagte ich den Schritt in die freiberufliche Illustration. Zu dieser Zeit wurden Plattformen wie Instagram populär – das hat mir eine großartige Möglichkeit gegeben, meine Arbeiten einem breiteren Publikum zu zeigen. Ohne diese Plattform hätte ich vermutlich viel länger gebraucht, um Sichtbarkeit zu bekommen.Wo bist du aufgewachsen?Ich bin in London geboren, aber in Reading aufgewachsen. Sobald ich die Gelegenheit hatte, für das Studium zurück nach London zu ziehen, habe ich sie genutzt. Ich liebe die Energie der Stadt und den Zugang zu Museen und Galerien – das war für mich eine große Inspirationsquelle. London wirkte auf mich immer groß und ehrgeizig, und genau danach habe ich mich gesehnt.Hast du eine Kindheitserinnerung ans Zeichnen oder an Kunst, die dir besonders wichtig ist?Es ist eher eine Geschichte, die meine Mutter gern erzählt: Als Kleinkind im Hochstuhl habe ich von meiner Großmutter (möge sie in Frieden ruhen) immer ein frisches Blatt Papier und einen Wachsmalstift bekommen. Meine Mutter glaubt, dass es ihre Mutter war, die den kreativen Funken in mir entfacht hat.Wo lebst du heute – und wie ist es dort?Ich lebe immer noch in London, seit dem Studium. Ich liebe es, alles direkt vor der Haustür zu haben – Restaurants, Live-Musik, Ausstellungen und mehr. Trotzdem plane ich, noch dieses Jahr nach Tokio zu ziehen. Ich war schon fünfmal in Japan, und Tokio fühlt sich für mich wie eine weitere lebendige Stadt an, die ich gern noch intensiver erleben möchte.Wie sieht dein Atelier aus?Mein Studio ist in meiner Londoner Wohnung. Ich habe den Esstisch durch einen riesigen Schreibtisch ersetzt, der mit Blick auf den Kanal steht – perfekt für sonnige Tage. Ich habe schon darüber nachgedacht, ein externes Studio zu mieten, aber ich liebe es zu sehr, von zu Hause aus zu arbeiten.Wer oder was inspiriert dich am meisten?Meine Inspiration kommt von überall – Pinterest, Beobachtungen im Alltag, Bücher (Romane, Graphic Novels, Kinderbücher), Museen und Reisen. Mein Zuhause spiegelt das wider: Ich sammle Bücher und kleine Fundstücke von meinen Reisen und umgebe mich mit Dingen, die Kreativität auslösen.Mit wem würdest du gern einmal zusammenarbeiten – egal ob lebend oder verstorben?Es gäbe viele, aber eine Zusammenarbeit mit Hayao Miyazaki oder David Bowie wäre unglaublich gewesen.Wie verbringst du einen freien Tag am liebsten?Wenn die Sonne scheint, starte ich langsam in den Tag – mit Tee, Frühstück und einer Folge meiner aktuellen Serie. Dann gehe ich ins Fitnessstudio, mache mich fertig und treffe meine beste Freundin – oder verbringe Zeit allein. Ich liebe Ausstellungen, Maniküre oder Nachmittage in japanischen Cafés mit Matcha, Kuchen und einem guten Buch.Welche Themen liegen dir besonders am Herzen?Ich setze mich stark für Feminismus und Gleichberechtigung ein.Lebst du auch im Alltag oder bei der Arbeit nachhaltig?Ich achte konsequent auf Mülltrennung und arbeite von zu Hause, um meinen ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Auch auf ein externes Studio verzichte ich bewusst, um nicht auf den Nahverkehr angewiesen zu sein und Londons Umweltbelastung nicht zu erhöhen.Sammelst du etwas?Ja! Fundstücke aus Japan, Bücher, Schuhe, Kleidung, Sonnenbrillen und Lippenstifte. Früher habe ich auch Schallplatten und Retro-Gaming-Artikel gesammelt. Mittlerweile versuche ich bewusster damit umzugehen, was ich mit nach Hause nehme – der Platz wird knapp! Maximalismus ist trotzdem mein Ding.Was hörst du beim Arbeiten?Das hängt von meiner Stimmung ab. Für Konzentration höre ich Lo-Fi oder Klavierstücke von Chad Lawson. Wenn ich Energie brauche, momentan viel K-Pop oder K-R&B. Auch Podcasts mag ich – besonders erzählerische wie Uncanny Japan oder Tales by Parcast. Weitere Empfehlungen: Not Past It, Lady Killers with Lucy Worsley, Maintenance Phase und Articles of Interest.Wer ist dein künstlerisches Vorbild?Ich bewundere viele – besonders Hayao Miyazaki, Takashi Murakami und David Bowie.Was ist dein Lieblingsbuch?Der Hobbit von J.R.R. Tolkien und Klara und die Sonne von Kazuo Ishiguro.Welcher Film geht immer?Labyrinth, Hocus Pocus, Das wandelnde Schloss, Die Braut des Prinzen und Blondinen bevorzugt – das sind meine absoluten Wohlfühlfilme.Welche Serie hast du zuletzt durchgebingt?Victoria auf Netflix – und aktuell verschlinge ich die zweite Staffel von Castlevania.Welche Ausstellung hat dich zuletzt begeistert?Ich war Ende letzten Jahres in Japan unterwegs und habe in dieser Zeit weniger Ausstellungen in London besucht. Dafür war ich zum zweiten Mal im Studio-Ghibli-Museum und auch im Snoopy-Museum. Viele dieser Museen sind zwar stark auf Fotomotive ausgerichtet, aber ich liebe es, Originalskizzen zu sehen. Es hat etwas Magisches, einen Einblick in die frühen Arbeitsprozesse von Künstler:innen zu bekommen.Welches Konzert hast du zuletzt besucht?Ein Live-Auftritt von Patrick Wolf mit Streichquartett in einer Kirche in East London. Es war wunderschön – ich habe geweint.Wohin würdest du gern reisen?Japan ist immer meine erste Wahl, aber ich würde auch gern mehr von Asien und Italien sehen – Shanghai, Hongkong, Seoul und Florenz stehen auf meiner Liste.Hast du ein verborgenes Talent oder besondere Kenntnisse?Ich lerne gerade Japanisch und halte mich für eine gute Köchin – ich kann ohne Rezept leckere Gerichte zaubern!Wenn du für den Rest deines Lebens nur eine Art von Essen essen dürftest – was wäre es?Wahrscheinlich Sushi oder Pasta – davon würde ich nie genug bekommen.Wenn dir ein:e Kund:in ein Jahr freigeben und es vollständig finanzieren würde – was würdest du in dieser Zeit schaffen wollen?Ganz klar: Ich würde eine Graphic Novel umsetzen. Ich habe bereits zwei kleinere Projekte realisiert und ein paar Kurzgeschichten im Eigenverlag veröffentlicht. Aber mein Traum ist es, ein längeres Werk anzugehen. Bisher war das schwer mit Aufträgen zu vereinbaren – ein Jahr volle Konzentration wäre ein Traum.Gibt es eine Art Projekt, die du noch nie gemacht hast, aber gern umsetzen würdest?Ja! Ich würde gern Buchcover gestalten, Etiketten für alkoholische oder alkoholfreie Getränke – etwa für ein Bioweingut –, etwas für ein Modehaus oder Illustrationen für eine Parfüm-Kampagne. Die Liste ist ehrlich gesagt endlos.Wie hat sich deine Arbeitsweise im Lauf der Zeit verändert?Meine Arbeit hat sich über die Jahre stark weiterentwickelt und ist heute kaum noch mit meinen Anfängen als Freelancerin vergleichbar. Früher habe ich viel traditionell gearbeitet – mit Finelinern und Mixed Media, oft für lustige Figuren und Printdesigns. Alles änderte sich, als ich mein erstes iPad kaufte und mit Procreate zu arbeiten begann. Da habe ich meinen Stil wirklich gefunden. In den letzten Jahren liegt mein Fokus eher auf Landschaften und Menschen. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, wo ich heute wäre, hätte ich den Schritt zur digitalen Arbeit nicht gemacht.Was ist das Schwierigste am Illustrator:innen-Dasein?Die ruhigen Phasen zwischen Projekten und die Einsamkeit beim Arbeiten. Um motiviert zu bleiben, brauche ich oft kleine mentale Anfeuerungen.Wenn du keine Illustratorin wärst – was dann?Ehrlich gesagt weiß ich das nicht genau. Ich habe Illustration nicht studiert – es war eher etwas, zu dem ich nach und nach gefunden habe. Aber ich könnte mir vorstellen, Schmuckdesignerin oder Mode-Stylistin zu sein.Was ist der beste Rat, den du je bekommen hast?„Überquere die Brücke, wenn du dort ankommst.“ Und: Gib bei der Zeitplanung lieber mehr Puffer an, als du meinst zu brauchen – du wirst es dir selbst danken.Was würdest du deinem jüngeren Ich raten?Konzentrier dich auf deine eigenen Träume statt darauf, andere zu unterstützen. Vertrau deinem Bauchgefühl, geh Risiken ein und warte nicht auf Bestätigung – du kannst mehr, als du denkst.Hast du einen Rat für angehende Illustrator:innen?Vernetze dich mit anderen Illustrator:innen online – so hast du Menschen, die verstehen, was du durchmachst, und mit denen du Ideen austauschen kannst. Recherchiere außerdem, wie man bessere Kund:innen gewinnt. Plattformen wie AOI oder WIA sind dafür extrem hilfreich – und Podcasts sind ein guter Weg, um zu lernen und inspiriert zu bleiben.Kannst du eine Playlist teilen?Ich mache ständig neue Playlists – du kannst gern auf meinem Spotify-Account stöbern! Manche sagen, eine Playlist zu teilen sei wie ein Seelen-Striptease – aber mich stört das überhaupt nicht.