Was hat dich dazu gebracht, Illustratorin zu werden?Seit ich denken kann, war Zeichnen mein Ding. Ich hatte immer ein Skizzenbuch dabei und liebte es, alles Mögliche zu zeichnen: Menschen, Modedesigns, Traumwohnungen, Videospiele. In meiner Teenagerzeit mochte ich besonders die Archie Comics – vielleicht stammt ein Teil meiner Begeisterung für das Zeichnen von Menschen daher. In der Oberstufe und zu Beginn meines Studiums bekam ich erste Aufträge von Freund:innen und Familie – Gemälde, Logos, sogar Tattoos. Im zweiten Studienjahr bin ich in eine andere Stadt gezogen, um ein Designstudium zu beginnen, in dem ich Illustration in so viele Projekte wie möglich integriert habe. Nach meinem Abschluss 2018 habe ich mir ein iPad gekauft und weitergezeichnet, parallel zu meinem ersten Job als Designerin in einem Tech-Unternehmen. 2020 habe ich einen Online-Shop eröffnet und einen Instagram-Account gestartet, auf dem ich erste Drucke gezeigt habe. Dann kamen Bestellungen – und plötzlich verkaufte ich Hunderte Prints und erhielt Illustrationsaufträge. Mir war vorher gar nicht klar, dass Illustration ein „richtiger“ Beruf mit so vielen Möglichkeiten ist – für mich war es immer nur ein Hobby und eine Leidenschaft. Ich bin sehr froh, dass sich alles so entwickelt hat – es ist wirklich mein Traumberuf.Wo bist du aufgewachsen?Ich wurde in Kanada geboren, bin aber auf einer kleinen Insel vor Boston aufgewachsen. Da ein Elternteil beim Militär war, bin ich viel umgezogen: von Boston nach Virginia, dann nach Rhode Island, später schließlich nach Ottawa. Ich liebe es, doppelte Staatsbürgerin zu sein, und ehre sowohl meine amerikanischen als auch meine kanadischen Wurzeln.Hast du eine Kindheitserinnerung an Kunst, die dir besonders wichtig ist?Ich habe Zeichnen in alles eingebaut, was ich getan habe, und meine Familie hat diese Leidenschaft immer unterstützt. Ich erinnere mich, wie ich Menüs geschrieben, ausgedruckt und illustriert habe – und dann mit in den Park nahm, um für meine Familie Sand-"Essen" zu servieren. In der Lokalzeitung gab es mal einen Wettbewerb für Frühlingsmotive – mein Bild wurde gedruckt. Später habe ich stundenlang allein in meinem Zimmer Menschen gezeichnet und mir ihre Lebensgeschichten ausgedacht. In der Schule habe ich oft Ärger bekommen, weil ich meine Arbeitsblätter vollgekritzelt habe.Wo lebst du heute – und was hat dich dorthin geführt?Seit ich fürs Studium nach Toronto gezogen bin, ist das mein Zuhause. Ich kam aus einer kleineren Stadt und suchte mehr Möglichkeiten – besonders im Kreativbereich. Florida besuche ich so oft wie möglich, weil ich warmes Klima deutlich bevorzuge. Langfristig sehe ich mich eher in einer tropischen Region – wahrscheinlich in den USA.Wie sieht dein Atelier aus?Ich plane, mein Studio in einen bunteren, kreativeren Raum zu verwandeln. Aktuell ist es ein Gästezimmer in meiner Penthouse-Wohnung – mit schöner Aussicht auf die Stadt. Ich habe viele Pflanzen aufgestellt sowie bunte Vasen und Dekoobjekte. Auf meinem Schreibtisch stehen ein zusätzlicher Monitor, ein Laptop-Ständer, ein iPad-Ständer und eine Halterung für mein Handy, mit der ich meinen Arbeitsprozess aufnehme. Was noch fehlt: Regale für meine Printarbeiten – Bücher, Magazine und Aboboxen, an denen ich mitgewirkt habe.Wer oder was inspiriert dich am meisten?Ich werde stark von Frauen inspiriert – durch unsere Vielfalt, Schönheit, Körper, Haare – wir sind alle einzigartig. Auch Gefühle inspirieren mich: Nostalgie (besonders für die späten 90er und 2000er) oder das beruhigende Gefühl von Meer, Sonne, tropischem Klima und Pflanzen. Diese Elemente bringe ich in meine Arbeiten ein, so oft ich kann.Mit wem würdest du gern einmal zusammenarbeiten – egal aus welcher Disziplin, lebend oder tot?Ich würde gern meine Liebe zu Musik und Illustration verbinden – z. B. bei einem Albumcover für einen Hip-Hop- oder Rap-Artist. Ich liebe das Cover von Kanye Wests Graduation (2007) – so etwas Ikonisches, Zeitloses und Farbenfrohes selbst zu gestalten, wäre ein Traum.Wie verbringst du einen freien Tag am liebsten?Ich habe nicht viele freie Tage – aber das ist okay, ich liebe meine Arbeit. Freitags oder samstags gehe ich abends gern mit meinem Partner essen – am liebsten im Sommer draußen auf der Terrasse. Ich liebe es auch, neue Serien zu bingen – besonders psychologische Thriller oder Dramen. Ich finde es wichtig, der Realität gelegentlich zu entfliehen – das hilft beim Abschalten.Was ist dein wertvollster Besitz – und warum?Meine Wohnung als Ganzes. Ich habe viel Zeit und Energie in die Gestaltung investiert – sie ist ein Ort, an dem ich mich wohlfühle. Sie ist voller Pflanzen und besonderer Deko, mit Balkon und Blick über die Stadt vom 43. Stock aus. Auf Instagram gibt es Highlights mit Videos davon. Gleichauf stehen ein paar seltene Vintage-Kleidungsstücke, die ich sehr liebe.Welche Themen liegen dir besonders am Herzen?Ich bin bei einer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen – daher liegen mir alle Themen rund um Frauen und Alleinerziehende besonders am Herzen. Auch Themen rund um Schwarze Communities, LGBTQ+ und Menschen mit Behinderung – weil sie mein Leben und das Leben nahestehender Personen betreffen.Wie trennst du Arbeit und Privatleben?Wenn man von zu Hause arbeitet, ist das schwierig. Ich nutze oft jeden Raum meiner Wohnung zum Arbeiten, nicht nur das Büro. Ich versuche, mich an Zeiten zu halten, nicht an Orte – also sage ich mir: Ab jetzt ist Feierabend. Zeitmanagement ist dabei zentral: Ich arbeite sehr fokussiert, damit ich mir auch freie Tage für Selbstfürsorge, Freund:innen und Familie nehmen kann.Sammelst du etwas?Ich sammle Untersetzer aus Restaurants, die ich besucht habe – die sind für mich wie kleine Kunstwerke. Einige davon sind besonders farbenfroh und mit schönen Erinnerungen verknüpft. Außerdem alles, was mit Seinfeld zu tun hat – meiner absoluten Lieblingsserie. Ich habe bereits Artwork, Kleidung, ein LEGO-Set, DVDs und eine Kerze.Was hörst du beim Arbeiten?Ich habe immer etwas im Hintergrund laufen – beim Arbeiten, Kochen oder Fertigmachen. Meist Seinfeld – ich kenne alle Folgen auswendig, aber es beruhigt mich. Sonst höre ich Podcasts oder Musik. Ich mag z. B. den Podcast Lip Service von Angela Yee – dort sprechen Schwarze Frauen mit Promi-Gästen über Beziehungen, Dating, Leben usw. Meine Lieblings-Playlist auf Spotify ist ein Throwback-Hip-Hop/Rap-Mix mit über 24 Stunden Musik aus den späten 90ern und 2000ern.Welche Schallplatte hast du als erstes gekauft?Das war Mitte der 2000er – also zum Beispiel Usher, Chris Brown, Britney Spears, Lil Wayne. Diese Zeit ist meine Lieblingsepoche – musikalisch, kulturell, modisch. Mein absolutes Lieblingsalbum ist The College Dropout von Kanye West (2004). Ich hatte damals einen Walkman und später einen MP3-Player – und war immer up to date in Sachen R&B und Hip-Hop.Was war dein Lieblingsprojekt bisher?Mein Lieblingsprojekt (und auch mein erster größerer Auftrag) war das Kinderbuch Bushyhead. Ich habe es sehr gern illustriert – die Geschichte war wie ein Liebesbrief an mein jüngeres Ich. Die Autorin, Peta-Gaye Nash, war großartig. Sie erzählt die Geschichte eines Mädchens mit großem Locken-Afro, das in der Schule gehänselt wird und sein Haar hasst. Ich konnte mich gut mit Bushyhead identifizieren – und mochte, wie die Geschichte verläuft. Die Illustrationen waren bunt, verspielt und warm – ich war sehr zufrieden mit dem Ergebnis.Wohin würdest du gern reisen?Ich liebe Strand, Meer, Palmen, Sonne – also alles Tropische mit positiver, entspannter Kultur. Hawaii und die Karibik stehen ganz oben auf meiner Liste.Was ist dein Lieblings-Comfort-Food?Karibisches Essen: Jerk Chicken mit Ochsenschwanzsoße, Reis, Krautsalat und Nudelsalat. Und ich liebe Chick-Fil-A – keine Ahnung warum, aber es macht mich glücklich. Mein Standardmenü: Spicy Chicken Deluxe mit Kirsch-Cola.Gibt es etwas völlig Zufälliges, worin du Expertin bist?Ganz klar Seinfeld. Und: Während meines Studiums habe ich ein paar Jahre als Make-up-Artistin bei MAC gearbeitet. Ich war die einzige im Team ohne formale Ausbildung – hatte aber die höchsten Verkaufszahlen im Store. Ich habe jeden Tag neue Looks getragen und kenne mich bis heute gut mit Produkten aus.Gab es eine Lektion, die du auf die harte Tour lernen musstest?Ja – Durchsetzungsvermögen. Das ist nicht meine Stärke. Ich bin sehr sensibel und empathisch und habe oft Angst, andere vor den Kopf zu stoßen. Aber ich habe gelernt: Es ist nichts falsch daran, die eigene Meinung zu sagen.Welchen Karriereratschlag würdest du deinem jüngeren Ich geben?Ich habe zwei Jahre Psychologie studiert, mit dem Ziel, Juristin zu werden – aus Angst vor dem „brotlosen Künstler:innen“-Klischee. Ich wollte finanziell abgesichert sein. Erst durch den Zuspruch von Freund:innen habe ich mich getraut, meinem Talent und meiner Leidenschaft zu folgen. Ich bin extrem froh, dass ich diesen Schritt gegangen bin. Deshalb würde ich meinem jüngeren Ich – und allen anderen, die sich ähnlich fühlen – sagen: Geh das Risiko ein. Wähle den Weg, der sich richtig anfühlt. Sprich mit Menschen, die das tun, was du tun willst. Und finde heraus, wie du deinen Traum Wirklichkeit werden lassen kannst.