Was hat dich dazu gebracht, Illustratorin zu werden? Ich bin Illustratorin geworden, weil ich erkannt habe, dass ich in schwierigen Momenten meines Lebens immer den Drang verspürte zu zeichnen, ohne zunächst zu verstehen, warum. Zeichnen war für mich immer ein Weg, in einen tiefen meditativen Zustand zu kommen, in dem ich Freiheit und Harmonie spüren konnte, selbst inmitten unsicherer Situationen. Mit der Zeit bekam das Zeichnen eine neue Bedeutung, als ich verstand, dass sich durch die Kunst das Unbewusste mit seiner eigenen Sprache ausdrückt, mit Symbolen. Illustration ist ein Weg, die innere Welt mit der äußeren zu verbinden. Es ist wirklich etwas Wunderbares.Hast du Illustration an der Universität studiert? Ich habe Grafikdesign an der Universität von Nariño in Kolumbien studiert und im Rahmen des Studiums Illustration belegt. Später, als ich nach Buenos Aires, Argentinien, gezogen bin, habe ich Kurse bei Professor:innen der Universität von Buenos Aires besucht.Wo bist du aufgewachsen? Ich wurde in der Stadt Pasto in Kolumbien geboren und bin dort bis zu meinem 25. Lebensjahr aufgewachsen, eine Stadt voller großer Berge und Vulkane. Danach bin ich nach Argentinien gereist, wo ich heute lebe.Hast du Kindheitserinnerungen an Kunst oder Zeichnen, die dir besonders wichtig sind? Ich habe viele Erinnerungen, da viele meiner Verwandten Künstler:innen waren und sind. Mein Großvater war ein vielseitiger Künstler, er arbeitete unter anderem mit Holzbildhauerei, Malerei und Wandmalerei. Außerdem war er Sammler von Kunst und Antiquitäten und richtete ein kleines Museum ein. Dieser Einfluss ist sehr präsent in meinen Arbeiten, antike Kunstgegenstände faszinierten mich schon immer und wirkten auf mich voller Geschichte. Auch mein Vater, meine Tante und mein Bruder sind Künstler:innen, die mit Holz arbeiten. Und obwohl ich zeichne, fühle ich mich immer vom kreativen Schaffensprozess und der Umwandlung von Formen und Materialien angezogen.Wo lebst du heute und was hat dich dorthin gebracht? Ich lebe seit elf Jahren in Argentinien, in einer Stadt namens Mar del Plata. Ich finde, Argentinien ist ein wunderbares Land mit einer reichen Kultur und vielfältigen künstlerischen Szenen. Ich habe mich bewusst für eine Küstenstadt entschieden, weil ich das Meer liebe und eine tiefe Verbindung zum Element Wasser verspüre, ebenso zu Meereslebewesen und der gesamten Küstenumgebung.Hast du ein Haustier im Atelier? Ja, mein Kater Cosmo ist mein treuer Gefährte. Er ist sieben Jahre alt und reist schon mit mir, seit er ganz klein war. Ich zeichne ihn oft, er ist ein Teil meines persönlichen Lebens und auch meines künstlerischen Schaffens, da er in vielen meiner Werke präsent ist.Wer oder was inspiriert dich am meisten? Zweifellos die Natur: Tiere, Pflanzen, Wasser, Feuer, Erde und Luft. Die Magie und Perfektion ihrer Formen und Farben sind ein Mysterium, dem ich beim Zeichnen langsam auf die Spur komme. Auch Musik und Alchemie sind Themen, die mich stark inspirieren und die ich in organische, natürliche Formen zu integrieren versuche.Mit welcher Kreativperson, lebend oder tot, würdest du gerne zusammenarbeiten? Ich würde liebend gern die Gedichte von Fernando Pessoa illustrieren, er ist einer meiner Lieblingsautoren, den ich zutiefst bewundere. Außerdem würde ich gerne Artwork für Chopin, Debussy, Satie oder Dead Can Dance gestalten.Wenn du ein Traumstipendium mit voller Förderung bekommen würdest, wohin würdest du reisen und was würdest du schaffen? Ich würde nach Italien reisen, um klassische Kunst kennenzulernen und mich von anderen Künstler:innen inspirieren zu lassen. Dort würde ich eine Illustrationsserie zum Thema Traumwelten entwickeln, ich analysiere und dokumentiere meine Träume seit Jahren aus jungianischer Perspektive, was mir tiefere Einblicke in meine innere Welt eröffnet hat.Wenn du deinen eigenen Grabstein mit einem Satz beschriften würdest, wie würde er lauten? Dort, wo das erste Licht entstand. Der Samen des blauen Himmels keimte. Ich kehre zurück an den Ort, an dem ich geboren wurde.Was ist dein liebster Weg, einen freien Tag zu verbringen? Am liebsten gehe ich an den Strand, genieße die Sonne, gehe schwimmen, lese ein Buch und notiere Ideen. Das genieße ich allein genauso wie in Gesellschaft.Für welche Anliegen setzt du dich besonders ein? Ich fühle mich sehr mit dem Umweltschutz verbunden, insbesondere dem Schutz der Meere, des Dschungels und der Tiere. Ich setze mich für Recycling, Abfallvermeidung und den Tierschutz ein, insbesondere für Organisationen, die sich um ausgesetzte Hunde und Katzen kümmern.Was war das erste Album, das du dir gekauft hast? Das erste Album war „Colores Santos“ von Gustavo Cerati, einem argentinischen Sänger. Ich habe es zum Geburtstag bekommen, ich höre es bis heute und verbinde es mit wunderbaren Momenten voller Freiheit und Magie.Wer ist dein künstlerisches Vorbild? Es gibt viele, aber Gustave Doré bewundere ich besonders, für die Schönheit und Dunkelheit seiner Werke.Was würdest du beruflich machen, wenn du keine Illustratorin wärst? Ich wäre Musikerin, ich liebe es, Musik zu hören und zu singen.Was ist der beste Ratschlag, den du je erhalten hast? Ein Zitat von Steve Jobs, das ich mir zu Herzen nehme: „Wenn du nicht für deine eigenen Träume arbeitest, wird dich jemand einstellen, damit du für seine arbeitest.“Hast du verborgene Talente? Ich weiß nicht, ob man es als Talent bezeichnen kann, aber wenn ich im Wasser bin, sei es im Meer oder im Pool, empfange ich oft innere Bilder. Wenn ich mit ihnen in Dialog trete, helfen sie mir, persönliche Situationen zu verstehen oder inspirieren mich zu neuen Werken.Was ist dein liebstes Soulfood? Jede gesunde, selbstgekochte Mahlzeit mit Pilzen, Käse, Kartoffeln und ganz viel Liebe.Welchen Film kannst du immer wieder anschauen? Den Film *Labyrinth* mit David Bowie.Welche Ausstellung hat dich zuletzt begeistert? Nicht die letzte, aber die, die mich am meisten begeistert hat, war eine Ausstellung von Remedios Varo in Buenos Aires. Unglaublich, Worte reichen nicht für so viel Schönheit und Magie.Was ist dein Lieblingsbuch? *Der Hirt der Herden* (*O Guardador de Rebanhos*) von Fernando Pessoas Heteronym Alberto Caeiro.Welchen Karrieretipp würdest du deinem jüngeren Ich geben? Du machst das gut. Halte durch, vertraue deinem Prozess, deine Seele beschützt und führt dich. Knüpfe Freundschaften, teile deine Zeit mit ihnen, schaffe bedeutsame kollektive Projekte.Hast du Ratschläge oder Tipps für andere Illustrator:innen? Ich würde sagen: Nutzt Illustration als einen Weg zur Selbsterkenntnis und um die Welt zu verstehen, dann wird Arbeit immer eine Entdeckung sein, voller Überraschung, Lernen und Weisheit. Hört auf eure Intuition und den kreativen Impuls und bleibt diszipliniert und ausdauernd. Der Prozess ist meist langsam, aber wenn man ihn bewusst geht, lohnt er sich, denn am Ende steht eure eigene Stimme, nicht nur als Stil, sondern als Art, das Leben zu sehen.