Wie bist du dazu gekommen, Illustratorin zu werden?Vor über zehn Jahren erhielt ich einen Auftrag für ein Comicbuch. Eigentlich studierte ich Architektur und hatte gar nicht vor, Illustratorin zu werden, doch dann erkannte ich voller Begeisterung, dass das, was ich so liebe, tatsächlich mein Beruf werden könnte. Ich bin erst recht spät zur Illustration gekommen, aber seither begleitet mich der Traum, Illustratorin zu sein.Hast du Illustration studiert?Ich habe eine Ausbildung zur Architektin absolviert und viel Zeit mit akademischem Zeichnen verbracht; mittlerweile denke ich über eine Ausbildung im Bereich Illustration nach, denn ich lerne für mein Leben gern.Wo bist du aufgewachsen?Ich bin in einer Kleinstadt namens Twer aufgewachsen, die zwischen Moskau und St. Petersburg liegt.Hast du eine schöne Kindheitserinnerung, die mit Kunst zu tun hat?Meine liebste Erinnerung ist die, als meine Mutter mich an eine Staffelei setzte, die sie selbst aus einem Stuhl und einem Brett gebastelt hatte, mir Farben gab und ich unser Familienporträt malte. Ich war etwa fünf Jahre alt; das war wohl der Zeitpunkt, an dem ich anfing, das Zeichnen zu lieben.Wo lebst du heute und was hat dich dorthin verschlagen?Mein Mann und ich können uns heute als echte digitale Nomaden bezeichnen; im letzten Jahr haben wir in zwei wunderschönen Ländern gelebt, und wir haben nicht vor, damit aufzuhören. Mein großer Traum ist es, ein Wohnmobil zu kaufen und viele Orte auf unserem wunderschönen Planeten zu bereisen. Ich bin sehr froh, dass unsere Berufe es uns ermöglichen, überall auf der Welt zu leben.Beschreibe uns dein Atelier.Mein Atelier passt in meinen Koffer. Ich nehme meine Lieblingsbücher, Skizzenbücher und Materialien überallhin mit, das ist das Erste, was ich einpacke. Man kann aber auch sagen: Mein Atelier, das sind ich und mein iPad.Hast du ein Atelier-Haustier?Oh ja, ich liebe Tiere sehr. Ich habe drei: eine Hündin namens Rhea und zwei Kater – Belyash (benannt nach einer Fleischpastete) und Lionel (wie Lionel Messi).Wer oder was ist deine größte Inspiration?Meine Kinder. Wenn ich etwas zeichne, stelle ich mir immer den Moment vor, in dem ich ihnen das fertige Werk zeige; sie sind meine liebsten Kritiker. Wenn du die Finanzierung für eine Künstlerresidenz deiner Träume bekämst, wohin würdest du gehen und was würdest du dort erschaffen?Ich würde mein eigenes Kreativstudio eröffnen. Es wäre ein großer, gemütlicher Raum, in den Menschen jeden Alters kommen und versuchen könnten, sich künstlerisch zu betätigen. Es gäbe dort alle erdenklichen Materialien für kreatives Arbeiten; man könnte sich einfach bedienen und etwas erschaffen.Wie verbringst du am liebsten einen freien Tag?Ich koche liebend gerne etwas Leckeres und schaue Disney-Filme, gehe mit meinem Hund im Park spazieren, treffe mich mit Freunden, wandere und bin einfach gerne draußen in der Natur.Was ist dein wertvollster Besitz und warum?Meine Großmutter hat mir einmal eine vierbändige Sammlung von Herluf Bidstrup geschenkt. Sie sind mit vielen Erinnerungen verbunden, daran, wie mein Vater und ich uns bei Familientreffen seine Comics ansahen und lachten. Diese Bücher wärmen mir immer das Herz, und ich gehe besonders sorgsam mit ihnen um.Für welche Anliegen setzt du dich leidenschaftlich ein?Ich arbeite liebend gern mit den Händen; ich nähe und stricke gern und liebe Keramik. Mein Traum ist es, das Töpferhandwerk zu erlernen und ein Geschirrset für meine Familie zu entwerfen.Achtest du im Alltag auf Nachhaltigkeit?Ich nehme im Geschäft keine Plastiktüten an, sondern versuche, einen eigenen Einkaufsbeutel zu verwenden. Ich bin Kaffeeliebhaberin und habe mir vor Kurzem einen Thermobecher gekauft. Außerdem betreibe ich Recycling; ich mag es, wenn Dinge ein zweites Leben bekommen.Welche war die erste Schallplatte, die du gekauft hast?Ich glaube, es war eine von Michael Jackson. Ich war etwa sechs oder sieben Jahre alt und erinnere mich daran, wie ich auf dem Tisch tanzte, als wäre er eine Bühne, während mich niemand sah.Wer ist dein künstlerisches Vorbild?Kasimir Malewitsch.Wenn du keine Illustratorin wärst, was wärst du dann?Ich würde Bergsteigerin werden und alle Berge über 8.000 Meter erklimmen, es gibt davon 14.Wenn du jeden beliebigen Ort der Welt besuchen könntest, wohin würdest du reisen?Ich würde im Pazifik einen Wal berühren.Hast du verborgene Talente?Ich spiele gern Ukulele.Wie würde dich jemand beschreiben, der dich gut kennt?Mein Mann sagt, ich sei unglaublich positiv und kreativ, lustig und freundlich und dass ich mir ständig irgendwelche Geschichten ausdenke.Was ist dein liebstes „Comfort Food“?Nutella und ein frisches Baguette.Welchen Film kannst du dir immer wieder ansehen?Harry Potter! Ich freue mich schon sehr darauf, die Reihe noch einmal von Anfang an mit meinen Kindern anzusehen.Welche Serie hast du zuletzt am Stück geschaut?„Wednesday“, ich war beeindruckt und freue mich auf die Fortsetzung.Was ist dein Lieblingsbuch?Der Glöckner von Notre-Dame (Notre Dame de Paris).Was ist dein Lieblingszitat? „Selbst Wunder brauchen ein wenig Zeit.“Gibt es irgendein beliebiges Thema, auf dem du dich als Experte betrachtest?Ich kann unter Wasser länger als vier Minuten die Luft anhalten. Das habe ich in Apnoetauchkursen gelernt!Welchen beruflichen Rat würdest du deinem jüngeren Ich geben?Zeichne bei jeder Gelegenheit, jeden Tag.Gibt es eine berufliche Lektion, die du auf die harte Tour lernen musstest?Ja: Hör auf dich selbst und äußere deine Meinung, wenn es nötig ist.