Wie bist du dazu gekommen, Illustrator zu werden?Ich verspüre einen großen Drang, Geschichten zu erzählen, und gleichzeitig ein immenses Bedürfnis, mich auszudrücken und zu kommunizieren, gepaart mit einer Leidenschaft für grafische Kunst. Es ging also einfach darum, diese Dinge miteinander zu verknüpfen!Hast du Illustration studiert?Nein! Ich habe mir alles durch Ausprobieren und Fehler machen angeeignet. Durch Neugier und Beharrlichkeit.Wo bist du aufgewachsen?In Rio de Janeiro. Ein Ort voller Inspiration.Gibt es Kindheitserinnerungen mit Bezug zur Kunst, die dir besonders am Herzen liegen?Meine Mitschüler haben mich im Kunstunterricht oft gebeten, etwas zu zeichnen. Einmal, in der fünften Klasse, es war gegen Ende des Schuljahres, bat mich ein Freund, sein Schulhemd zu bemalen. Ich erinnere mich, dass er mir ein paar Münzen gab; ich weiß nicht mehr genau, wie viel es war, aber es reichte für eine Limonade in der Schulkantine. Kurz darauf fragten auch andere Mitschüler und bezahlten mich, so kam ich zu meinem ersten Auftrag als Illustrator!Kannst du dich daran erinnern, wann du Kunst zum ersten Mal in einem kommerziellen Kontext wahrgenommen hast?Ich glaube, das war bei Comics und Filmplakaten.Wo lebst du heute und was hat dich dorthin gezogen?Ich habe viele Jahre fernab von Rio verbracht und wollte unbedingt zurückkehren. Und es scheint, als hätte die Rückkehr nach Rio de Janeiro genau das Feuer neu entfacht, das ich brauchte, um mich der Kunst zu widmen.Beschreibe uns dein Atelier.Es ist nicht sehr groß. Ich trenne die verschiedenen Arbeitsbereiche voneinander: Auf der einen Seite stehen das Grafiktablett und die Computer, auf der anderen das Zeichenbrett für Studien und Originalzeichnungen. Es gibt Regale mit Zeitschriften und Büchern sowie natürlich Sammlerstücke, die mir als Inspiration dienen. Ich arbeite immer mit Blick auf ein großes Fenster, durch das ich die Vegetation und die Berge sehen kann.Wer oder was ist deine größte Inspirationsquelle?Meine Tochter und der Wunsch, die Sichtweise der Gesellschaft auf mein Volk zu verändern.Wenn du mit einem anderen Künstler oder Kreativen, egal welcher Sparte, ob lebend oder verstorben, zusammenarbeiten könntest: Wer wäre das?Basquiat.Wie verbringst du am liebsten einen freien Tag? Ich liebe es, Serien am Stück zu schauen, besonders an Regentagen. Wenn mich eine Serie fesselt, verliere ich leicht das Zeitgefühl … Ich wage mich gelegentlich mit meiner Tochter an den Strand, und ich gehe sehr gerne mit Freunden in Bars. Neues Essen ausprobieren, Leute treffen.Was ist dein wertvollster Besitz und warum?Nun, ich würde sagen: meine Tochter. Wegen des Privilegs, durch die Vaterschaft den Mann zu entdecken, zu dem ich mich entwickle. Sie ist die Zukunft, also achte ich darauf, dass diese Zukunft gut wird. Sie inspiriert mich.Was ist dein Lieblingszitat?„Es gibt nichts Tragischeres auf dieser Welt, als zu wissen, was richtig ist, und es nicht zu tun. Wie wäre es, wenn wir die Welt verändern, angefangen bei uns selbst?“ – Martin Luther King Jr.Für welche Anliegen setzt du dich leidenschaftlich ein?Bildung und Bürgerrechte für Schwarze Menschen, Frauen und indigene Völker.Sammelst du irgendetwas?Actionfiguren und Werbedosen für Getränke, aber nicht systematisch.Was hörst du bei der Arbeit?Elektronische Musik, Heavy Metal und Jazz.Was ist dein Lieblingspodcast?Mano a Mano (Brasilien).Welches war das erste Album, das du gekauft hast?Appetite for Destruction von Guns N' Roses.Wer ist dein künstlerisches Vorbild?Basquiat und Leonardo da Vinci.Wer ist dein Vorbild im Design?Bea Feitler.Wer ist dein musikalisches Vorbild?Maestro Moacir Santos.Was ist dein Lieblingsbuch?The Shack und Akira.Welchen Film kannst du dir immer wieder ansehen?The Crow (Verfilmung der Comics von James O’Barr).Welches war das letzte Konzert, das du besucht hast?See.Welche Ausstellung hast du zuletzt gesehen und geliebt?Favela, eine Gemeinschaftsausstellung mit Künstlern aus den Randgebieten (Peripherie).Welches war das letzte Konzert, das du besucht hast?Kamasi Washington. Es war ein unvergessliches Erlebnis.Wenn du jeden Ort der Welt besuchen könntest, wohin würdest du reisen?Tokio.Hast du verborgene Talente?Rezepte aus willkürlichen Zutaten erfinden.Wenn du für den Rest deines Lebens nur eine einzige Speise essen dürftest, welche wäre das?Barbecue!Wenn ein Kunde dir genug Geld zahlen würde, damit du ein Jahr Auszeit nehmen und ohne Einschränkungen erschaffen kannst, was auch immer du willst, was würdest du kreieren?Eine surrealistische Comic-Serie über das Dasein und das eigene Ich in dem System, in dem wir leben.Gibt es eine Art von Arbeit, die du noch nicht gemacht hast, aber gerne machen würdest?Eine interaktive Kunstausstellung.Gibt es eine Lektion im Berufsleben, die du auf die harte Tour lernen musstest?Durchhaltevermögen zu zeigen. Ich lerne immer noch dazu.Wie haben sich deine Arbeit oder deine künstlerische Praxis im Laufe der Zeit entwickelt?Ich werde ausdrucksstärker. Das Gefühl, das einem Werk Leben einhaucht, rückt immer stärker in den Mittelpunkt. Heute sagen Emotionen mehr aus als reine Technik.Wenn du kein Illustrator wärst, was wärst du dann?Ich glaube, ich wäre Musiker oder Schauspieler.Was ist die größte Herausforderung am Beruf des Illustrators?Davon leben zu können!Was ist der beste Rat, den du je erhalten hast?Wenn dir deine Arbeit keinen Spaß macht, wirst du sie kaum lange ausüben können.Welchen beruflichen Rat würdest du deinem jüngeren Ich geben?Gib dich selbst nicht auf, weder als Mensch noch als Künstler, auch wenn alles dagegen spricht.Hast du einen Rat für andere Illustratoren?Denselben, den ich mir selbst gegeben habe: Wie sehr wir an uns und unser Vorhaben glauben, das ist die einzige Garantie dafür, dass sich auch tatsächlich etwas bewegt.