Wie bist du dazu gekommen, Illustratorin zu werden?Schon früh hatte ich eine natürliche Neigung zum Zeichnen und ein großes Interesse an Kunst, daher fiel mir die Entscheidung für eine künstlerische Ausbildung leicht. Ich habe einige Jahre in verschiedenen kreativen Bereichen gearbeitet, aber ich träumte davon, an Projekten zum Schutz und zur Erforschung der Natur mitzuwirken. Zunächst organisierte ich kreative Workshops im Rahmen von Umweltbildungskursen und arbeitete später an verschiedenen Projekten als Naturillustratorin mit. Im Laufe der Zeit habe ich dabei viele wunderbare Erfahrungen gesammelt.Wo bist du aufgewachsen?Ich bin in der Nähe von Varese in Norditalien geboren, wo ich auch heute noch lebe. Ich habe das Glück, schon immer inmitten der Natur gelebt zu haben – in der Nähe von Seen und Wäldern.Beschreibe uns dein Atelier.Mein Atelier ist ein gemütlicher, lichtdurchfluteter Bereich in meinem Zuhause. Ich liebe es, in meiner behaglichen Ecke zu arbeiten; dort habe ich alles, was ich brauche: sämtliche Zeichen- und Malutensilien, eine Tischstaffelei, einen PC mit Grafiktablett und eine gut sortierte Bibliothek, die mir sehr am Herzen liegt.Beschreibe den Ausblick aus deinem Fenster.Ich glaube, die Fenster sind das, was ich an meinem Atelier am meisten liebe. Sie erstrecken sich über die gesamte Wandlänge und geben den Blick auf den Garten und den Wald frei – genau auf Höhe der Baumwipfel. Oft kann ich die Tiere beobachten, die hier leben, und sogar Vögel durch das Fenster mit dem Fernglas oder Teleobjektiv betrachten.Wer oder was ist deine größte Inspirationsquelle?Ich lasse mich vor allem von der Natur inspirieren, die mich umgibt und die ich bei meinen Spaziergängen beobachten kann. Besonders faszinieren mich dabei natürliche Elemente mit ausgeprägten Strukturen und geometrischen Formen. Auch wissenschaftliche Bücher, Dokumentationen und die unerschöpflichen Möglichkeiten der sozialen Medien inspirieren mich. Meine künstlerischen Vorbilder – seien es historische oder zeitgenössische Künstler – bewegen sich oft an der Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft. Genau diese Verbindung fasziniert mich.Sammelst du irgendetwas?Ich sammle für mein Leben gern Samen und Naturmaterialien mit außergewöhnlichen Formen. Ich besitze mehrere Kisten voller „kurioser Dinge“. Außerdem bin ich eine ziemliche Bücher-Hamsterin: Ich kaufe oft viel mehr Bücher, als ich tatsächlich lesen kann. Welche Interessen hast du abseits der Illustration?Ich habe viele Interessen. Manche Leidenschaften begleiten mich schon seit vielen Jahren, wie etwa die Film- und Kunstgeschichte; andere Dinge habe ich erst später für mich entdeckt, wie zum Beispiel das Training im Fitnessstudio und die Beobachtung der Natur. In letzter Zeit macht es mir großen Spaß, nachtaktive Tiere mithilfe einer Wildkamera zu entdecken.Was war dein bisher liebster Auftrag?Schwer zu sagen, aber vielleicht einer der ersten: ein Projekt über den Lago di Varese, da dies einer meiner Lieblingsorte hier ist. Es umfasste Informationstafeln sowie einen Führer zu der dort heimischen Pflanzen- und Tierwelt. Ich fand es toll, mit der Bestandsaufnahme vor Ort zu beginnen, um mehr über die Lebensräume all der dargestellten Arten zu erfahren. Bei meinen ersten Projekten habe ich dank der Zusammenarbeit mit naturkundlichen Fachleuten sehr viel gelernt.Was wäre dein Traumauftrag?Ein Projekt im Bildungsbereich – etwa ein Buch oder ein Magazin –, das sich mit Umweltschutz und der Liebe zur Natur befasst.Wenn du überall leben könntest, wo wäre das?Mein idealer Wohnort wäre ein Haus am Meer in einem warmen Land und inmitten einer inklusiven Gesellschaft.Wenn du in der Zeit zurückreisen könntest: Welche eine Person würdest du gerne treffen und warum?Eigentlich jede beliebige Person aus der Vergangenheit – mein Traum wäre es, mit einer Zeitmaschine hin- und herzureisen! Besonders inspiriert fühle ich mich jedoch von mutigen Frauen, die sich über Konventionen und die Widrigkeiten ihrer Zeit hinwegsetzten, um ihrer Leidenschaft für Wissen nachzugehen – wie etwa Maria Sibylla Merian, Mary Anning, Mary Shelley oder Beatrix Potter.Welchen Film kannst du dir immer wieder ansehen?Da gibt es viele, aber einen ganz besonders: „Manche mögen’s heiß“ von Billy Wilder.Was hörst du beim Illustrieren?Meistens höre ich am frühen Morgen Radio, um mich über das aktuelle Geschehen zu informieren; generell liebe ich jedoch elektronische Musik, die mich gedanklich auf Reisen schickt und für gute Stimmung sorgt.Welche Ausstellung hast du zuletzt gesehen und warst begeistert?Ich habe den Besuch von Ausstellungen sehr vermisst und bin froh, dass wir endlich wieder in Museen und Galerien gehen können. Die letzte Ausstellung, die ich sehr inspirierend fand, war 2019 „Broken Nature“ in der Triennale (Designmuseum von Mailand); sie thematisierte die Verbindung zwischen dem Menschen und der durch ihn beeinträchtigten natürlichen Umwelt.Welches Konzert hast du zuletzt besucht?Ich liebe historische Instrumente. Das letzte Konzert, das ich besucht habe, war ein kleines Barockkonzert an einem reizvollen Ort in Como. Was machst du, wenn du eine kreative Blockade hast?Das hängt davon ab, wie stark die Blockade ist: Manchmal reicht ein kurzer Spaziergang im Wald. Manchmal brauche ich ein intensiveres Erlebnis, wie zum Beispiel einen Ausstellungsbesuch oder ein Treffen. Aber Reisen hilft eigentlich immer!