Wie bist du dazu gekommen, Illustrator zu werden?Ich habe mich schon jahrelang nebenbei damit beschäftigt, aber erst als ich als professioneller Drehbuchautor Schwierigkeiten hatte, verlagerte ich meinen Schwerpunkt auf die Illustration. Während ich an einer Story-Idee arbeitete, beschloss ich, daraus stattdessen eine Graphic-Novel-Reihe zu machen. Ich hatte noch nie zuvor Comics in diesem Umfang illustriert oder die Erfahrung für eine solche Aufgabe, aber irgendwie redete ich mir ein, dass ich es schaffen könnte. Es gelang mir, fünf Ausgaben der Geschichte fertigzustellen und einen unabhängigen Verlag für die Veröffentlichung zu finden. Das war ein Wendepunkt für mich, denn ich erkannte, dass andere meine Kunst schätzten, nachdem ich jahrelang an meinen eigenen Fähigkeiten gezweifelt hatte.Hast du Illustration studiert?Ich habe im Studium kein Kunst- oder Illustrationsfach belegt, aber während meiner Zeit an der University of Miami habe ich eigenständig Kunstkurse besucht. Nach dem Studium nahm ich weiterhin an Illustrationskursen teil, unter anderem in Aktzeichnen, Concept Design, Storyboard-Illustration und Marker-Rendering.Wo bist du aufgewachsen?Auf Long Island, New York.Gibt es eine Kindheitserinnerung mit Bezug zur Kunst, die dir besonders am Herzen liegt?Eine Erinnerung, die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist: Ein Mitschüler in der Middle School rief unseren Lehrer herbei, damit er sich eine Zeichnung ansah, die ich angefertigt hatte. Der Lehrer war so ermutigend, dass er mich dem Kunstlehrer der High School vorstellte. Bis dahin hatte ich nie das Gefühl gehabt, in irgendeiner Weise besonders hervorzustechen.Kannst du dich daran erinnern, wann du zum ersten Mal Kunst in einem kommerziellen Kontext gesehen hast?Ich erinnere mich noch gut an das „Coppertone Baby“, gemalt von Joyce Ballantyne. Das humorvolle Bild des Welpen, der versucht, das Badehöschen des Kindes herunterzuziehen, eine Werbung für Sonnencreme, ist mir unvergesslich geblieben.Wo wohnst du heute und was hat dich dorthin verschlagen?In Los Angeles, Kalifornien. Meine Frau und ich sind vor Jahren wegen einer beruflichen Chance hierhergezogen.Beschreibe uns dein Atelier.Ich habe ein kleines Atelier bzw. Büro bei uns zu Hause. Es ist ausgestattet mit einem großen Bücherregal, einem Zeichentisch und einem elektrisch höhenverstellbaren Schreibtisch für meinen Computer. Ich arbeite hauptsächlich digital; meistens sitze ich also an meinem Schreibtisch und gestalte meine Kunst auf einem Wacom Cintiq. Außerdem arbeite ich mit einem iPad, wenn ich nicht gerade in meinem Atelier bin.Hast du ein Atelier-Haustier?Ich habe zwei Katzen, die an der Tür zu meinem Büro Wache halten. Sie wollen ziemlich oft meine Aufmerksamkeit.Wer oder was ist deine größte Inspirationsquelle?Kunst, die einen Blick auf die Welt und das menschliche Dasein aus einer ganz eigenen Perspektive eröffnet, sei es durch Musik, Film, Literatur oder Illustration. Ich bewundere meist Künstler, die mit unerschütterlichem Fokus nach Perfektion streben, wahrscheinlich weil sie eine exquisite Ästhetik schaffen, die über meine eigenen Fähigkeiten hinausgeht. Wenn ich mir zum Beispiel ein Gemälde von John Singer Sargent ansehe und bestaune, was er geschaffen hat, kann mich allein das schon dazu inspirieren, zumindest zu versuchen, etwas ebenso Anspruchsvolles zu erschaffen.Mit welchem anderen Künstler oder Kreativen, egal aus welcher Sparte, ob lebend oder verstorben, würdest du gerne zusammenarbeiten?Der erste Name, der mir in den Sinn kommt, ist George Miller, der Regisseur von "Mad Max: Fury Road". Dieser Film ist genialer Wahnsinn.Wie verbringst du am liebsten einen freien Tag?Vormittags schreiben oder zeichnen, nachmittags einen Film ansehen oder ins Museum gehen und abends ein tolles Abendessen mit Familie und Freunden genießen.Was ist dein wertvollster Besitz und warum?Meine Comics aus der Kindheit, die kleine Sammlung, die ich noch habe. Sie waren mein Einstieg in die Kunstwelt. Eines meiner Lieblingsstücke ist eine großformatige Marvel-Comic-Adaption von "2001: Odyssee im Weltraum" von Jack Kirby. Mein Vater hat sie mir gekauft, als ich noch sehr jung war. Damals habe ich ihr keine große Bedeutung beigemessen, aber heute schätze ich sie sehr.Für welche Anliegen setzt du dich leidenschaftlich ein?Krebsforschung. Ich betreibe einen Online-Shop für Merchandise namens „That’s So Sic“, bei dem ein Teil der Einnahmen an eine Stiftung für Krebsforschung geht.Achtest du auf umweltfreundliche Gewohnheiten, um nachhaltiger zu leben?Wassersparen ist uns in unserem Haushalt wichtig. Wir leben in Südkalifornien, wo ein trockenes Klima herrscht.Sammelst du irgendetwas?Designer-Spielzeugfiguren. Ich habe eigentlich keinen Platz dafür, aber hin und wieder lege ich mir doch eine zu. Ich versuche, den örtlichen „Pop Mart“-Laden zu meiden, aus Angst, in einen zwanghaften Kaufrausch zu verfallen.Was hörst du beim Arbeiten?Das ist unterschiedlich, R&B, Funk, Rock, Adult Contemporary, Alternative und New Wave. Meistens Musik aus dem letzten Jahrhundert. In letzter Zeit höre ich Filmmusik von Jerry Goldsmith und James Horner.Was ist dein Lieblingspodcast?"The Plot Thickens" von Turner Classic Movies.Welche war die erste Schallplatte, die du gekauft hast?"Ghost In The Machine" von The Police.Wer ist dein künstlerisches Vorbild?Wahrscheinlich Matt Taylor. Die Meisterschaft in Komposition und Farbgebung bei seinen Illustrationen ist herausragend.Wer ist dein Design-Vorbild?Hello Muller. Als ich entdeckte, dass er einen Online-Kurs bei Domestika anbietet, habe ich mich sofort angemeldet. Ich habe eine Vorliebe für Grafikdesign und baue es gerne in meine Illustrationen ein.Wer ist dein musikalisches Vorbild?Das entscheidet sich zwischen Steely Dan und Pink Floyd.Was ist dein Lieblingsbuch?"Wer die Nachtigall stört" (To Kill A Mockingbird).Was ist dein Lieblingszitat? „Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist“ – Yogi BerraWelchen Film kannst du dir immer wieder ansehen?Alien.Welche Serie hast du zuletzt am Stück geschaut?Breaking Bad. Das ist die einzige Serie, die ich jemals zweimal am Stück geschaut habe.Welche Ausstellung hast du zuletzt gesehen und geliebt?Drew Struzan. Es war eine kleine Ausstellung seiner Auftragsarbeiten und freien künstlerischen Werke. Ich bewundere seine Arbeit sehr.Welches Konzert hast du zuletzt besucht?La La Land in Concert.Wenn du jeden Ort der Welt besuchen könntest, wohin würdest du reisen?Auf die englische Landschaft. Irgendetwas im Stil von "Sturmhöhe" oder "Stolz und Vorurteil".Gibt es ein spezielles Thema, bei dem du dich als Experten betrachtest, oder verborgene Talente?Wissen über Spielfilme (Trivia).Wenn du für den Rest deines Lebens nur eine einzige Art von Essen zu dir nehmen könntest, welche wäre das?Hmm … das ist eine schwierige Frage. Ich würde mich für die asiatische Küche entscheiden; damit wären Japanisch, Chinesisch, Thailändisch und Indisch abgedeckt.Was war bisher dein liebster Auftrag?Daran arbeite ich gerade: zwei Graphic-Novel-Projekte, die sich völlig von allem unterscheiden, was ich bisher illustriert habe. Das eine ist eine futuristische Sci-Fi-Geschichte mit komplexem World-Building, das andere eine Coming-of-Age-Komödie, die in der Gegenwart spielt.Du strandest auf einer einsamen Insel ohne Strom und fließendes Wasser. Welche drei Kunstutensilien würdest du mitnehmen?Einen Skizzenblock, Graphitstift und einen Fineliner; alternativ die größte seetüchtige Leinwand, die ich als Schwimmhilfe nutzen könnte, dazu einen noch größeren Rotmarderpinsel als Paddel und Farbe, um meine Haut auf dem Rückweg in die Zivilisation vor Sonnenbrand zu schützen.Wenn ein Kunde dir genug Geld zahlen würde, damit du ein Jahr lang aussetzen und erschaffen kannst, was immer du willst, ohne Vorgaben oder Einschränkungen, was würdest du kreieren?Ein einzigartiges Kunstwerk. Etwas, das den Test der Zeit besteht, Menschen auf inspirierende Weise berührt und anderen Künstlern als Vorbild dient.Gibt es eine Art von Auftrag, die du noch nicht übernommen hast, aber sehr gerne einmal machen würdest?Ein Magazin-Cover.Gibt es eine berufliche Lektion, die du auf die harte Tour lernen musstest?Risiken aus Angst vor dem Scheitern zu meiden. Ein paar Mal habe ich Aufträge abgelehnt, weil ich glaubte, den Kunden oder mich selbst zu enttäuschen, anstatt auf meine Fähigkeit zu vertrauen, mich der Herausforderung zu stellen. Inzwischen gelingt es mir viel besser, meine Selbstzweifel zum Schweigen zu bringen.Wie haben sich deine Arbeit und deine Arbeitsweise im Laufe der Zeit entwickelt?Durch das Experimentieren mit neuen Techniken und Herangehensweisen wird meine Begeisterung für die Illustration immer wieder neu entfacht. Ich betrachte die Arbeiten anderer Illustratoren, sowohl historischer als auch neu entdeckter und frage mich: „Wie haben sie das gemacht?“ Dann versuche ich mich an meiner eigenen Version und entdecke dabei etwas Neues, das ganz zu meinem eigenen Stil wird. Trotz all dieser Einflüsse bewahre ich mir eine konsistente künstlerische Stimme und einen beständigen Stil.Wenn du kein Illustrator wärst, was wärst du dann?Schriftsteller, was ich ja auch tatsächlich bin.Was ist der beste Rat, den du je erhalten hast?Er lebt zwar nicht mehr, aber ich hatte das große Glück, mit einem meiner absoluten Lieblingsillustratoren, John Paul Leon, zu sprechen. Ich zeigte ihm mein Portfolio und versuchte, die Qualität einiger Arbeiten zu entschuldigen, indem ich betonte, es handele sich um frühe Werke. Er riet mir, meine Arbeiten mit Stolz zu präsentieren und sie gegenüber dem Betrachter weder herabzuwürdigen noch unter Wert zu verkaufen. Seine Worte sind mir bis heute im Gedächtnis geblieben.Welchen beruflichen Rat würdest du deinem jüngeren Ich geben?Geh kein unnötiges Risiko aus reiner Vorsicht ein, sondern wage mehr.Hast du einen Rat für andere Illustratoren?Wenn du am Anfang stehst, definiert dich als Künstler letztlich das, was dich einzigartig macht und nicht, welchen Stil du nachahmen kannst. Lange Zeit habe ich meine Kunst mit der von Künstlern verglichen, die ich sehr bewunderte, in der Hoffnung, bestimmte Techniken zu übernehmen. Irgendwann löste ich mich davon und fand meinen eigenen Stil. Das kann Jahre dauern, aber als ich es geschafft hatte, lernte ich, genau das zu schätzen, was mich als Künstler ausmacht. Versuche, deinen persönlichen Stil zu entwickeln, anstatt den eines anderen zu kopieren.