Was hat dich dazu gebracht, Illustratorin zu werden?Ich habe schon als Kind leidenschaftlich gern gezeichnet. Ich bin buchstäblich mit einem Bleistift in der Hand aufgewachsen. In den Figuren meiner Lieblingsbücher konnte ich mich verlieren – fasziniert davon, mit wie viel Geschick Illustrator:innen unzählige Details in ihre Werke einbauen. Während meines Studiums der Bildenden Kunst war es für mich ganz natürlich, mich allmählich der Welt der Kinderbuchillustration zuzuwenden – ein Feld, das mich schon in meiner Kindheit berührt hat.Hast du Illustration studiert?Ich habe an der Oberschule Bildende Kunst und anschließend Szenografie an der Accademia di Belle Arti in Florenz studiert. Nach dem Studium habe ich mein Können durch verschiedene Kurzkurse bei international renommierten Illustrator:innen erweitert. Schließlich habe ich mich für ein spezifisches Illustrationsstudium an der Nemo Academy entschieden.Wo bist du aufgewachsen?Ich bin in einer kleinen Stadt an der etruskischen Küste aufgewachsen – getragen vom Zauber des Meeres und der Ruhe der toskanischen Hügel.Hast du eine Kindheitserinnerung an Kunst, die dir besonders wichtig ist?In der Grundschule habe ich gern Porträts von Prominenten gezeichnet – abgemalt von Fotografien. Auf dem Deckblatt meiner Abschlussmappe in der fünften Klasse war ein Porträt von Posh Spice. Dieses kleine künstlerische Erfolgserlebnis fiel meiner Großmutter auf. Sie bat mich um meine erste Auftragsarbeit: ein Porträt von ihr selbst. Das war eine prägende Erfahrung, denn sie konfrontierte mich mit der Realität, dass ein Live-Porträt viel schwieriger ist als das Abzeichnen eines Fotos. Jede Falte, jede Mimik musste präzise beobachtet werden – bis heute habe ich das nicht vergessen.Wo lebst du heute und was hat dich dorthin geführt?Ich lebe wieder in dem kleinen Ort, in dem ich aufgewachsen bin – im alten Haus meiner Großmutter. Es steht in einem wunderschönen Garten – dem gleichen Garten, in dem ich als Kind die Nachmittage beim Spielen und Entdecken verbracht habe.Wie sieht dein Atelier aus?Mein Atelier ist ein gemütlicher, heller Raum. Durch das große Westfenster fällt nachmittags das Licht und schafft eine warme Atmosphäre. Ich habe das Zimmer mit vielen Pflanzen eingerichtet, die sich zwischen den Regalen einer großen Bücherwand mit illustrierten Büchern verteilen.Hast du ein Haustier im Studio?Meine beiden Hunde Semola und Daisy streifen oft neugierig durch mein Atelier. Allerdings muss ich zugeben: Ihr Blick bedeutet fast immer, dass sie etwas wollen – rausgehen oder fressen.Wer oder was inspiriert dich am meisten?Die Natur ist meine größte Inspirationsquelle. Die komplexen Details und lebendigen Farben der natürlichen Welt geben mir immer wieder neue Impulse.Mit wem würdest du gern einmal zusammenarbeiten – egal aus welcher Disziplin, lebend oder tot?Ich würde gern mit den großen Meister:innen des Impressionismus arbeiten – am liebsten in einem Pariser Café mit Claude Monet und Edgar Degas.Wenn du ein gefördertes Traumstipendium bekämst – wohin würdest du gehen und was würdest du machen?Ich würde nach Japan reisen und Werke schaffen, die meinen Stil mit der traditionellen japanischen Ästhetik verbinden.Wie verbringst du einen freien Tag am liebsten?Seit ich Mutter geworden bin, verbringe ich meine freie Zeit mit meiner Familie. Mit meiner Tochter habe ich die Freude an den kleinen Dingen wiederentdeckt.Hast du einen Lieblingswitz?Im Italienischen sagt man: „Die Frau des Schusters trägt keine Schuhe.“ Ich mag den Spruch, weil er daran erinnert, dass man selbst im eigenen Fachgebiet nicht immer perfekt sein muss.Was ist dein wertvollster Besitz – und warum?Eine goldene Halskette, die meiner Großmutter gehörte und die ich immer trage. Sie zeigt zwei Liebende unter einem Baum. Sie erinnert mich an meine Familie – und ich liebe das antike Design, das an Jugendstil erinnert.Welche Themen liegen dir besonders am Herzen?Nachhaltigkeit. Ich halte es für wichtig, Praktiken zu fördern, die Umweltverschmutzung reduzieren und Ressourcen für kommende Generationen erhalten. Ich ernähre mich überwiegend pflanzlich und verzichte auf Einwegprodukte. Stattdessen nutze ich wiederverwendbare Alternativen und kaufe oft Secondhand. Jede kleine Handlung zählt – und ich versuche, meinen Teil beizutragen.Wie trennst du Berufliches und Privates?Ich versuche, feste Arbeitszeiten einzuhalten – aber das gelingt nicht immer. Vieles vermischt sich. Ich gebe mein Bestes.Sammelst du etwas?Ich sammle kleine Fliesen – aus Städten, die ich besuche, oder als Mitbringsel von Freunden. Sie dekorieren den Holzofen in meinem Garten, in dem wir im Sommer gelegentlich Pizza backen.Was hörst du beim Arbeiten?Meistens laufen Serien auf Netflix oder ähnlichen Plattformen – ich höre nur mit, ohne hinzusehen.Was war die erste Musik, die du selbst gekauft hast?„Nord, Sud, Ovest, Est“ von der italienischen Band 883 aus den 90ern. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich allein zum Plattenladen gegangen bin, um die Kassette von meinem Taschengeld zu kaufen.Was war dein Lieblingsprojekt bisher?Ich illustriere besonders gern Bücher, in denen Tiere die Hauptrolle spielen. Im letzten Jahr habe ich ein Buch umgesetzt, das im Wald spielt: „Missione letargo“ (Mission Winterschlaf) – das hat mir viel Freude gemacht.Wer ist dein künstlerisches Vorbild?Gustav Klimt.Dein Design-Vorbild?Antoni Gaudí.Musikalisches Vorbild?Fabrizio De Andrè.Wenn du keine Illustratorin wärst – was dann?Tierärztin – oder etwas anderes, das mit Tieren zu tun hat.Wenn du dir ein beliebiges Reiseziel aussuchen könntest – wohin?Nach Japan. Ich hatte die Reise für das Frühjahr 2020 geplant, sie musste aber aus offensichtlichen Gründen verschoben werden. Ich hoffe, sie bald nachholen zu können.Hast du ein verborgenes Talent?Ich bin eine gute Köchin – und koche gern für mich und die Menschen, die ich liebe.Was ist dein Lieblings-Comfort-Food?Pizza!Welchen Film kannst du immer wieder sehen?Die großen Disney-Klassiker.Welche Serie hast du zuletzt gebingt?„Mad Men“ und die Mini-Serie „Zero Day“.Welche Ausstellung hast du zuletzt gesehen – und sie hat dich begeistert?Eine Ausstellung über Hokusai, die ich im Januar besucht habe.Welchen Karriereratschlag würdest du deinem jüngeren Ich geben?Hab keine Eile. Geh in die Bibliothek, lies so viele Bilderbücher wie möglich. Schau dir die Welt und die Natur um dich herum genau an – dort findest du alle Antworten.Gab es eine Lektion, die du auf die harte Tour lernen musstest?Bescheidenheit und Pünktlichkeit.Was war der beste Ratschlag, den du je bekommen hast?Scheitern ist Teil des kreativen Prozesses – das muss man akzeptieren.Hast du einen Rat für andere Illustrator:innen?Der gleiche, den ich meinem jüngeren Ich geben würde: Keine Eile, viele Bilderbücher lesen, die Welt beobachten. Und: Lass dich nicht von den ersten Absagen entmutigen.