Wie ist es dazu gekommen, dass Du Illustratorin werden wolltest?Geschichten wollten bei mir schon immer Bilder haben. Als Kind habe ich "Das letzte Einhorn" seitenweise nachgezeichnet und dabei gleich neue Abenteuer erfunden. Sie vervielfältigt und verschenkt. Später war ich überzeugt: Bücher schreiben ist mein Weg – also Belletristik-Studium. Heute weiß ich: Das war nicht der ganze Weg, aber sehr nützlich, zum Beispiel fürs Drehbuchschreiben. Erst mit Illustration und Film hat sich alles gefügt – und jetzt mache ich meine Geschichten einfach selbst.Hast Du Illustration studiert?Nicht direkt. Illustration und Animation habe ich mir größtenteils selbst beigebracht – mit Neugier, Ausdauer und vielen Sicherheitskopien. Grafikdesign habe ich auf zweitem Bildungsweg studiert, während meine Kinder klein waren. Im offenen Atelier kamen Acryl, Tusche und Aquarell dazu, später ein freies Studium bei einer Illustratorin und diverse Kurse. Gerade in der Animation war’s viel Learning by Doing – und wenn’s hakte, half mein Netzwerk.Mit welcher Technik arbeitest Du?Hauptsächlich arbeite ich digital mit Adobe Illustrator und After Effects. Je nach Auftrag greife ich aber auch zu echten Farben wie Tusche oder Aquarell, um Strukturen von Hand zu gestalten. Diese digitalisiere ich anschließend und füge sie in meine Filme ein – so bekommen die Projekte ein Stück ‚Handmade‘-Charakter.Wo bist Du aufgewachsen?Geboren wurde ich in Wuppertal. Mit fünf zog ich mit meinen Eltern und Geschwistern nach Hannover – dort bin ich auch geblieben, abgesehen von einem kurzen Zwischenstopp am Rhein.Hast Du eine Kindheitserinnerung, die mit Zeichnen/Kunst zu tun hat und die Dir wichtig ist?Als Teenager war ich so unzufrieden mit meinen Zeichnungen, dass ich sie für Jahre komplett beiseitegelegt habe. Aber der Wunsch, kreativ zu arbeiten, war immer da. Später im Atelier habe ich neu angefangen und so lange weitergemacht, bis die Blockaden verschwanden. Seitdem treibt mich die Frage an, wo meine Grenzen liegen – bisher konnte ich keine entdecken.Wo lebst Du jetzt und was hat Dich dorthin gezogen?Ich lebe in Neustadt bei Hannover. Eigentlich wollte ich damals raus in die große Welt – meine erste Ausbildung im Hotel brachte mich an den Rhein und fast nach Frankreich. Am Ende bin ich aber wegen meines späteren Mannes zurückgekommen. Bereut habe ich es keine Sekunde.Hast Du ein Haustier im Studio?Unser Elo Rüde „Bosse“ ist immer in meiner Nähe. Elos sehen ein wenig aus wie Border-Collies und sind tolle Familienhunde. Beschreibe den Blick aus Deinem Fenster.Garten, Terrasse, Ponywiesen. Und ständig neue Episoden: ausgebüxte Puten, ein Fuchs, der Schuhe klaut, Igel auf nächtlicher Tour, Rehe mit großen Augen und eine Nutria, die hier eingezogen ist, als wär’s gebucht. Keine Idylle – eher eine Freiluft-Sitcom mit ständig wechselnder Besetzung.Wer oder was ist Deine größte Inspiration?Mich inspiriert David Hockney. Mit über 70 hat er angefangen, auf dem iPad zu zeichnen. Er zeigt, dass Technik die Kreativität erweitern kann. Besonders beeindruckt mich sein Blick auf Licht und Natur, wie er Jahreszeiten und Landschaften immer wieder neu interpretiert. Sein Forschergeist motiviert mich, selbst neugierig zu bleiben und alte wie neue Techniken zu verbinden. Genau so sehe ich auch KI – nicht als Ersatz, sondern als Werkzeug, das neue kreative Möglichkeiten eröffnet.Sammelst Du etwas?Ich liebe Tee und hätte eine Schwäche dafür, Teetassen zu sammeln. Zum Glück halte ich mich zurück – sonst hätte ich wahrscheinlich schon ein kleines Vermögen darin investiert.Was sind Deine Interessen außerhalb der Illustration?Abseits der Illustration verbringe ich am liebsten Zeit mit meiner Familie. Gemeinsames Lachen, Kochen oder kleine Alltagsmomente bedeuten mir sehr viel. Morgens gehe ich gern in den Wald auf Hunderunde und wir laufen vier Kilometer. Und wenn es um Musik geht, mag ich große Konzerte mit richtig viel Energie im Publikum. Sonst fotografiere ich gerne. Was macht ein gutes Kundenbriefing aus?Ein gutes Briefing ist wie eine klare Landkarte: Ziel, Botschaft und Zielgruppe müssen drinstehen oder erarbeitet werden. Der Rest darf gerne offen bleiben. Ich brauche keine 30 Seiten Text, sondern ein paar klare Infos und dann Vertrauen in meine Kreativität. Die Richtung entwickle ich gemeinsam mit meinen Kund:innen, damit das Ergebnis nicht nur kreativ, sondern auch passgenau wird.Wer ist Dein Lieblings-Künstler?Mein Lieblingskünstler ist Claude Monet. In meiner Lehrzeit habe ich mir von meinem Azubigehalt einen teuren Kunstdruck - Gardner’s House at Antibes (1888) - geleistet. Für mich war das ein besonderes Stück. Das Licht und die Farben — fantastisch! Es hing viele Jahre in meinem Schlafzimmer – bis es irgendwann verblasst war.Wer ist Dein Lieblings-Musiker?Ganz klar: U2! Sie greifen Themen auf, die andere oft meiden. Ihre Konzerte sind Energie in Reinform. Bono hat einmal gesagt, ihre Auftritte seien wie ein Chemiebaukasten – und genauso empfinde ich es auch: wie eine besondere Reaktion zwischen Band und Publikum. Wenn Du kein Illustrator wärest, was würdest Du sein?Dann wäre ich wohl Psychologin mit eigener Praxis. Das Interesse daran begleitet mich schon lange, und mein Wissen im Neuromarketing setze ich heute gezielt in Animationsprojekten ein – um zu verstehen, wie Bilder und Geschichten im Gehirn wirken. Was ist der beste Ratschlag, den Du je bekommen hast?Hör zu, bevor du zeichnest.Wenn Du irgendeinen Ort auf der Welt besuchen könntest, wohin würdest Du gehen?Ganz klar zu Pixar nach Emeryville, Kalifornien – ich möchte einfach mal sehen, wie die ihre Welten zum Leben erwecken. Und wahrscheinlich würde ich dort stundenlang wie ein Kind durch die Studios laufen, voller Staunen und mit tausend neuen Ideen im Kopf.Welche Persönlichkeit würdest Du gern einmal treffen?Ich würde gerne George Lucas treffen. Wo andere Grenzen sehen, baut er Lösungen. Als die Effekte für Star Wars fehlten, gründete er ILM. Für besseren Filmsound erfand er THX. Und als digitale Kameras noch Zukunftsmusik waren, hat er sie mitentwickeln lassen. Statt Grenzen zu akzeptieren, hat er neue Standards für die ganze Branche geschaffen.Wenn Du in die Vergangenheit reisen könntest, in welche Zeit würdest Du zurückgehen?Ich würde in die 80er reisen, um das Live Aid Konzert 1985 mitzuerleben – ein weltweites Benefiz-Event gegen die Hungersnot in Äthiopien. U2 waren damals noch nicht die Weltstars von später, überzeugten aber mit ihrem Auftritt. Roger Taylor von Queen sagte später, sie wollten einfach besser sein als U2 – daraus wurde einer der legendärsten Momente der Musikgeschichte.Hast Du verborgenen Talente?Vielleicht ist Kochen mein verstecktes Talent. Ich kann dabei genauso kreativ sein wie beim Zeichnen – nur dass man das Ergebnis essen kann.Wenn Du irgendwo leben könntest, wo würde das sein?Eine kleine Küstenstadt wäre ideal – mit dem Risiko, dass meine Produktivität in den Wellen versinkt. Ich kann stundenlang aufs Wasser starren. Welche Themen oder Inhalte in der Welt inspirieren Dich?Mich inspirieren vor allem Menschen – und die Frage, wie ihr Gehirn tickt. Neuromarketing finde ich spannend: Warum bleiben bestimmte Bilder hängen, warum lösen Farben Emotionen aus, warum merkt man sich Geschichten besser als Zahlen? Dazu kommen Alltagsmomente, Humor, Natur und die Vielfalt der Kulturen – alles, was uns auf einer tieferen Ebene bewegt.Welchen Film könntest Du immer und immer wieder sehen?Da gibt es viele. Star Wars zum Beispiel oder Der Herr der Ringe. Aber ich schaue Filme nicht nur zur Unterhaltung – ich achte immer auch darauf, wie große Filmemacher arbeiten: Wie sie Kameraführung einsetzen, Spannung aufbauen oder einen Plot verdichten. Da kann ich jedes Mal etwas lernen – selbst beim zehnten Mal.Hast Du ein Lieblingsspiel?Ich spiele Gesellschaftsspiele eigentlich selten, weil ich fast immer verliere. Auf Dauer weckt das nur Frust. Wenn, dann greife ich auf der PlayStation zu Action-Spielen mit historischem Hintergrund. Mich fasziniert, wenn Spielwelten Geschichte erlebbar machen – das ist fast wie interaktives Storytelling.Was hörst Du während der Arbeit?Wenn ich Musik höre, dann selten in deutscher Sprache – besonders nicht, wenn ich Texte oder Drehbücher schreibe. Englische Songs kann ich besser ausblenden, da stören die Texte nicht so sehr. So bleibe ich konzentriert und trotzdem im Flow.